Alben & Lieder

Blumengießen

1968, Text/Musik: Georg Kreisler

Wenn es dunkel wird in Alabama
und die Neger zücken ihr Gewehr,
dann geh ich Blumengießen, Blumengießen,
und von Neckermann schaff ich Samen an.
Wenn es brenzlig wird in Yokohama,
und man fragt sich dort: Wo kommt das her?
dann geh ich Blumengießen, Blumengießen,
denn das Immergrün macht mein Zimmer grün.
Und den Winterhecken, Kräutern,
Ringelblumen, Thymian und Mohn
kann man Politik ja nicht erläutern.
Wo ist mein Kerbelkraut? Ach ja, da ist es schon.

Fern in Asien passiert ein Drama.
In Belutschistan marschiert ein Heer.
Und ich geh Blumengießen, Blumengießen,
und mein Blätterkohl fühlt sich pudelwohl
beim Blumengießen, Blumengießen,
Herz, was willst du noch mehr?

Ich gieß Kokardenblumen und Ziegenbart.
Ich gieß Studentenröschen und Streu.
Ich gieß die Schlotterhose und den Katzenstart.
Ich gieß Totentrompete und Heu.
Ich gieß das Schlangenmaul und den Tränenschwamm.
Ich gieß die Hundsblumen und das Korn.
Ich gieß Schnuderbaribaum und den Hexenkamm.
Ich gieß Mains-Rhabarber und Sporn,
Pfefferblümchen, Zuckerrohr,
Wanzenkirschen und Schweineohr,
Heidenröslein und nackter Kavalier,
Sauerampfer und Teufelskraut,
Guter Heinrich und Judenkraut,
alle decken ihr’n Fressbedarf bei mir!

Ach, mein Nachbar soll zu den Soldaten,
und wer weiß, ob wir uns wieder sehn,
denk ich beim Blumengießen, Blumengießen,
meine Träne floß auf den Spargelsproß.
Die Schwester ging zum Advokaten.
Ihre Kinder leiden unter Föhn.
Sie sollten Blumengießen, Blumengießen.
In der Gurkenzeit braucht man Feuchtigkeit.

Alle wollen immer etwas ändern.
Keiner will die Zukunft, wie sie war.
Grünes gibt’s in aller Herren Ländern.
Das steht genauso da wie im vergangnen Jahr.

Doch den Leuten ist da nicht zu raten.
Keiner merkt, daß ich ihn übertön’
mit meinem Blumengießen, Blumengießen.
Ich schneid Ritterwurz und die Stauden kurz,
bind Tomaten fest, Kampf der Raupenpest!,
und mein Garten blüht,
und mein Garten ist schön!